Buchtipp: Total berechenbar? – Algorithmen in unserem Alltag

Total berechenbar? – Wenn Algorithmen für uns entscheiden

Von: Christoph Drösser

Nein. In dem Buch geht es nicht um trockene Mathematik. Es geht darum, wie Algorithmen angewendet werden. Das Buch erklärt, wie sie uns im Alltag helfen. Wie sie funktionieren. Aber auch, wo sie an Grenzen stoßen.

Es werden Fragen wie diese beatwortet:

  • Wie gehen Netflix oder Amazon vor, wenn sie uns Produkte empfehlen?
  • Wie funktioniert eine Routenberechnung im Navi?
  • Wie findet es immer die kürzeste Route?
  • Wie werden Algorithmen auf Online-Dating-Seiten verwendet, um uns potenzielle Partner vorschlagen?

Das alles und noch viel mehr, wird durch Algorithmen erledigt bzw. berechnet.

Ich habe das Buch gelesen, weil ich wissen wollte, was dahintersteckt hinter den ominösen Algorithmen.

Irgendwie umgibt sie immer etwas Geheimnisvolles

Manche halten sie sogar für etwas Magisches. Sie drängen immer weiter vor in unseren Alltag. Man weiß nicht genau, wie sie funktionieren. Deshalb haben manche auch Angst vor ihnen. Alles, was der Mensch nicht kennt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit erst mal abgelehnt.

Getreu dem Motto:

Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.

Ich bin dafür, sich lieber damit auseinanderzusetzen, anstatt Vermutungen zu äußern. Wissen ist besser als vermuten.

Das Buch erklärt alles in sehr anschaulicher Sprache. Man kann dem Autor leicht folgen und braucht keine (besonderen) Mathekenntnisse, um den Inhalt zu verstehen. Man wird in jedem Kapitel Stück für Stück an die Thematik herangeführt.

Interessant finde ich auch den Teil, in dem erklärt wird, was wir in unserer Facebook-Timeline zu sehen bekommen.

Der Teil, der mir aber am meisten im Kopf geblieben ist, ist der Teil, wie Verschlüsselungsalgorithmen funktionieren. Ich habe mich das immer gefragt. Das Buch gibt hier eine leicht zu verstehende Erklärung.

Das Thema künstliche Intelligenz wird auch behandelt.

Fakt ist:

Algorithmen haben nichts Gespenstisches. Sie sind von Menschen geschriebene Programme, die eine gewisse Logik in sich haben und dadurch eine gewisse „Intelligenz“. Es wird im Grunde ein Prozess in alle Teilschritte zerlegt und mit Wenn-dann-Verknüpfungen logisch verbunden. Das hört sich trivial an. Wie man das allerdings mathematisch löst, dazu braucht es dann doch wieder akrobatische Fähigkeiten. Wenn man die Lösung dann sieht, ist es wieder glasklar.

Ich frage mich dann immer: Wäre ich da auch darauf gekommen? Spannend finde ich auch, wie die Erfinder mancher Algorithmen auf die jeweiligen Lösungen gekommen sind.

Mein Lieblingszitat:

Diese ,Idiotensicherheit“ ist das Wesen jedes Algorithmus. Er lässt im Idealfall keinen Raum für Interpretationen.

Diese zwei Sätze erklären sehr anschaulich, warum der eine Algorithmus besser funktioniert als der andere. Je besser der Programmierer jede mögliche Kombination „abgesichert“ hat, umso besser funktioniert er. Hier passt der Spruch „Mut zur Lücke“ ganz gut. Bei einem Empfehlungsalgorithmus mag das noch egal sein. Man lacht vielleicht nur müde über den einen oder anderen Vorschlag. Je mehr Auswirkungen die Fehler eines Algorithmus jedoch haben, umso gewissenhafter müssen die Beteiligten damit umgehen. Das gilt für autonom fahrende Autos wie für Handelsprogramme, die vollautomatisch an der Börse mit Milliarden handeln. Auch das wird im Buch sehr gut dargestellt.

Mir hat das Buch vor allem dabei geholfen, besser zu verstehen, wie Algorithmen funktionieren.

Neulich hatte ich mit einem Freund eine Geschäftsidee

Es war eine Paketbox, in die der Kurier Pakete abstellen kann. Man muss die Pakete dann nicht mehr an der Paketstation oder dem Postamt abholen, wenn man nicht daheim ist.

An einem Punkt sind wir in eine Einbahnstraße gelaufen. Wie können wir dafür sorgen, dass nur der Paketkurier und der Kunde die Paketbox öffnen können? Der Wettbewerb löste das, indem er ein in sich geschlossenes System benutzte. Ohne Erlaubnis würde man da nicht reinkommen. Bitte draußen bleiben.

Wir wollten aber ein unabhängiges System und suchten nach einer disruptiven Lösung. Den großen Zustellkonzernen ein Schnippchen schlagen! Uns fiel aber keine Lösung ein.

Dann fiel mir ein Algorithmus aus dem Buch ein. Mit dieser Logik, in dem Fall war dies die Verschlüsselungslogik, konnten wir das Problem lösen.

Das war ein Aha-Moment für uns beide

Für meinen Freund, weil er der Meinung war, dass das Problem nicht lösbar war. Für mich war es wieder der Beweis, dass, je mehr man weiß, umso mehr (Wahl-) Möglichkeiten hat man.

Wir haben uns tierisch über die Lösung gefreut.

Die Lösung sah so aus:

Wir als Anbieter mussten nur an die Adressdaten kommen. Dazu hätten wir die Shop-Betreiber gebraucht. Mit diesen Informationen hätten wir Absender- und Lieferanschrift gehabt. Anschließend hätten wir per Mobilfunk einen Art Frage mit nur einer passenden Antwort geschickt. Die Antwort auf die Frage wäre nur mithilfe der Absender- und Lieferanschrift zu beantworten gewesen. Damit hätte man dann Zutritt zur Paketbox bekommen.

Die Idee haben wir dennoch wieder begraben, weil wir nur noch diesen einen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb gehabt hätten. Dieser wäre zu leicht kopierbar gewesen, was es einem anschließend in der Markteroberungsphase nicht leichter macht.

Fazit:

Das Buch hatte ich nur zufällig vor unserer Geschäftsidee gelesen. Wie auch immer. Ohne das Buch wären wir sicher nicht auf die Lösung gekommen.

Mich treiben genau solche Ideen und Probleme an. Deshalb will ich so viel wie möglich wissen. Lesen hilft da enorm.

Die Algorithmen für allerlei Übel in der Welt verantwortlich zu machen, ist eine deutsche Spezialität. Wir beschuldigen nicht die Computer und deren Programmierer oder die Technik allgemein – nein, die Algorithmen sind uns unheimlich. In anderen Ländern hat das Wort längst nicht so die Brisanz.

Mach dich clever.

Hier geht’s zum Buch.
Total berechenbar?: Wenn Algorithmen für uns entscheiden

Bleib dran, es lohnt sich.

Beste Grüße
Michael

Bla-Bla-Meter

für

Total berechenbar?

Der einzig wahre Maßstab 😉


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